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Ratgeber Strafrecht

Betrug nach § 146 StGB: Was nach einer Anzeige auf Sie zukommt

Nach einer Anzeige wegen Betrug ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. In der Regel bekommen Sie eine schriftliche Ladung zur Einvernahme als Beschuldigter. Der "einfache Betrug" ist in Österreich mit Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bedroht, bei einem Schaden über 5.000 Euro mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe. Bei einem schweren, gewerbsmäßigen Betrug beträgt der Strafrahmen 6 Monate bis 5 Jahre.

Erkennen Sie sich wieder?

  • Sie haben eine Ladung als Beschuldigter bekommen, der Vorwurf lautet Betrug.
  • Jemand, mit dem Sie bspw. über Geld streiten, hat Sie angezeigt, etwa wegen einer Kaution, wegen eines Kaufes einer Sache, wegen einer zu Unrecht getätigten Zahlung, etc.
  • Ein Familienmitglied wird wegen Betrug beschuldigt und Sie wollen helfen.

Rufen Sie mich an, bevor Sie mit der Polizei sprechen: 0664 18 44 997.

Martin Fürthaler bei Puls24

Puls24 „Treffpunkt Österreich“, 09.10.2026 (38 Sek.)

Im Puls24-Beitrag „Wohnungsbetrug mit Airbnb“ in „Treffpunkt Österreich“ vom 9. Oktober 2026 ging es um falsche Mietangebote. Mindestens 9 Menschen hatten dafür eine Kaution bezahlt. Im Interview habe ich erklärt, was nach einer Anzeige passiert: „Dann würde ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.“ Was in diesem Verfahren auf Sie zukommt, wenn sich der Verdacht gegen Sie richtet, lesen Sie hier.

Was gilt in Österreich als Betrug?

Betrug begeht, wer jemanden täuscht und ihn so zu einer Handlung bringt, die ihn oder einen anderen am Vermögen schädigt. Dazu kommt der Vorsatz, sich oder einen Dritten damit unrechtmäßig zu bereichern. Es müssen 4 Merkmale zusammenkommen:

Fehlt eines dieser Merkmale, liegt kein Betrug vor. Das sehe ich bei Anzeigen immer wieder: Angezeigt ist Betrug, doch die Voraussetzungen sind nach dem Gesetz nicht erfüllt. Oder anhand der Aktenlage ist ein vorsätzliches Handeln nicht nachweisbar.

Welche Strafe droht bei Betrug?

Die Strafe hängt beim Betrug vor allem von der Höhe des Schadens ab und von den Mitteln der Täuschung.

Vorwurf Freiheitsstrafe Gericht in 1. Instanz
Betrugbis 6 Monate oder Geldstrafe bis 360 TagessätzeBezirksgericht
Schwerer Betrug, Schaden über 5.000 Eurobis 3 JahreLandesgericht, Einzelrichter
Schwerer Betrug, Schaden über 100.000 Eurobis 3 JahreLandesgericht, Schöffengericht
Schwerer Betrug mit bestimmten Mitteln (siehe unten)bis 3 JahreLandesgericht, Einzelrichter
Schwerer Betrug mit falscher Urkunde, Daten oder Bankkarte als Mitglied einer kriminellen Vereinigung6 Monate bis 5 JahreLandesgericht, Einzelrichter
Schwerer Betrug, Schaden über 300.000 Euro1 bis 10 JahreLandesgericht, Schöffengericht
Gewerbsmäßiger Betrugbis 3 JahreLandesgericht, Einzelrichter
Gewerbsmäßiger schwerer Betrug6 Monate bis 5 JahreLandesgericht, Einzelrichter

Strafdrohungen laut Strafgesetzbuch in der geltenden Fassung, Stand Oktober 2026.

Die Zahl der Tagessätze richtet sich nach der Schuld, die Höhe eines Tagessatzes nach Ihren persönlichen Verhältnissen und Ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ein Tagessatz beträgt mindestens 4 und höchstens 5.000 Euro. Innerhalb des Rahmens wägt das Gericht Milderungs- und Erschwerungsgründe ab.

Was ist schwerer Betrug?

Schwerer Betrug liegt vor, wenn der Schaden 5.000 Euro übersteigt oder bei der Täuschung bestimmte Mittel eingesetzt werden. Dann drohen bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe, bei einem Schaden über 300.000 Euro 1 bis 10 Jahre. Zu den Mitteln zählen:

Geht es um mehrere Betrugstaten, zählt für die Strafdrohung die Summe der Schäden. So kann aus mehreren kleinen Beträgen ein schwerer Betrug werden, etwa wenn mehrere Menschen je eine Kaution überwiesen haben.

Was ist gewerbsmäßiger Betrug?

Gewerbsmäßig handelt, wer sich durch wiederholte Taten über längere Zeit ein fortlaufendes Einkommen von im Schnitt mehr als 400 Euro im Monat verschaffen will. Zusätzlich muss er etwa schon 2 solche Taten begangen haben, wegen einer solchen Tat verurteilt worden sein oder 2 weitere Taten konkret geplant haben. Dafür drohen bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe, beim gewerbsmäßigen schweren Betrug 6 Monate bis 5 Jahre.

Der Vorwurf steht in Anzeigen schnell im Raum, sobald es mehrere Geschädigte gibt. Ob er hält, gehört zu den ersten Fragen, die ich im Akt prüfe.

Wie läuft ein Verfahren wegen Betrug ab?

Ein Verfahren wegen Betrug läuft in bis zu 4 Phasen ab. Oft entscheidet die Strategie der ersten Tage darüber, welche Wege offen bleiben.

Phase Was passiert Was Sie tun können
AnzeigeJemand meldet einen Verdacht. Davon erfahren Sie nicht immer sofort.Anrufen, sobald Sie davon wissen
ErmittlungsverfahrenKriminalpolizei und Staatsanwaltschaft sammeln Beweise. Sie werden zur Einvernahme geladen.Akteneinsicht, Aussage vorbereiten oder schweigen
Entscheidung der StaatsanwaltschaftEinstellung, Diversion oder Anklage.Einstellung beantragen, Diversion anregen, Vorbereitung auf die Hauptverhandlung
GerichtsverhandlungFreispruch, Verurteilung oder auch dann noch eine DiversionVorbereitet in die Gerichtsverhandlung gehen

Vereinfachter Ablauf nach der Strafprozessordnung. Nicht jedes Verfahren durchläuft alle Phasen.

Was sollten Sie nach einer Anzeige wegen Betrug tun?

Sagen Sie nichts zur Sache, bevor Sie wissen, was im Akt steht. Sie dürfen die Aussage verweigern und einen Verteidiger zur Einvernahme beiziehen. Warum Schweigen oft besser schützt als Reden, lesen Sie im Artikel Aussage bei der Polizei.

  1. Ladung ernst nehmen. Rufen Sie an, sobald Sie die Ladung in der Hand haben und nicht erst am Vortag.
  2. Keine Nachrichten an den Anzeiger. Erklärungen oder Angebote an ihn können später im Akt liegen (und Ihnen allenfalls auch schaden).
  3. Unterlagen aufheben. Sichern Sie Verträge, Überweisungsbelege, Chats, E-Mails und löschen Sie nichts.
  4. Nicht unvorbereitet aussagen. Wer erst nach der Einvernahme anruft, hat zumeist die Richtung bereits vorgegeben. Damit muss man dann arbeiten. Aussagen, die bereits getätigt worden sind, sind nur noch schwer zu korrigieren.

Praxis-Tipp vom Strafverteidiger

Bevor Sie unüberlegte, schnelle Handlungen setzen, halten Sie unbedingt Rücksprache mit einem Verteidiger.

Was, wenn Sie zu Unrecht wegen Betrug angezeigt wurden?

Eine Anzeige ist eine Anzeige - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bis zur rechtskräftigen Verurteilung gelten Sie als unschuldig. Im Zweifel hat Sie das Gericht freizusprechen. Von selbst setzt sich Ihre Unschuld aber selten durch. Warum, erkläre ich im Artikel Unschuldig angezeigt?

Viele Betrugsanzeigen entstehen aus einem Streit heraus. Die Beweggründe sind verschieden, die Hintergründe oftmals komplex. Der Betrug ist ein komplexer Tatbestand - viele Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit tatsächlich von einem Betrug im Sinne des Strafgesetzes gesprochen werden kann.

Kann ein Verfahren wegen Betrug ohne Vorstrafe enden?

Ja, mit einer Einstellung oder einer Diversion endet ein Betrugsverfahren ohne Vorstrafe. Die Staatsanwaltschaft muss einstellen, wenn die Tat nicht strafbar ist oder kein tatsächlicher Grund für eine weitere Verfolgung besteht.

Bei einem Schaden über 300.000 Euro scheidet die Diversion aus. Wie Sie sich diese Tür offen halten, lesen Sie im Artikel Diversion in Österreich.

Wie unterscheidet sich Betrug von Veruntreuung oder Diebstahl?

Beim Betrug gibt der Geschädigte sein Geld selbst her, weil er getäuscht wurde.

Delikt Worum es geht Strafdrohung im Grundfall
VeruntreuungJemand eignet sich ein Gut zu, das ihm anvertraut wurde. Eine Täuschung ist nicht nötig.bis 6 Monate oder 360 Tagessätze, über 5.000 Euro bis 3 Jahre
DiebstahlJemand nimmt eine fremde bewegliche Sache weg. Der Geschädigte gibt sie nicht selbst her.bis 6 Monate oder 360 Tagessätze
UrkundenfälschungJemand fälscht eine Urkunde oder gebraucht eine falsche. Wird sie für einen Betrug benützt, ist das schwerer Betrug.bis 1 Jahr oder 720 Tagessätze

Freiheitsstrafe oder Geldstrafe laut Strafgesetzbuch, Stand Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ja, einer Ladung zur Einvernahme müssen Sie folgen, sonst droht unter Umständen die Vorführung. Aussagen müssen Sie dort aber nicht, als Beschuldigter dürfen Sie die Aussage jederzeit verweigern.
In Ausnahmefällen ja, etwa wenn zu befürchten ist, dass Sie sich dem Verfahren entziehen oder Beweise beeinträchtigen. Dann kann die Staatsanwaltschaft die Vorführung anordnen, bei Gefahr im Verzug oder auf frischer Tat auch die Kriminalpolizei selbst.
Ja, Sie dürfen einen Verteidiger beiziehen und die Einvernahme wird bis zu seinem Eintreffen aufgeschoben. In die Befragung darf er sich nicht einmischen, nach ihrem Abschluss darf er Ihnen aber Fragen stellen.
Ja, als Beschuldigter haben Sie das Recht auf Akteneinsicht. Nutzen Sie dieses.
Verdächtiger ist, gegen wen wegen eines Anfangsverdachts ermittelt wird. Beschuldigter werden Sie, sobald Sie aufgrund bestimmter Tatsachen konkret verdächtig sind und Ermittlungen gegen Sie laufen.
Nicht zwingend. Bei der Strafhöhe kommt es immer auf den Einzelfall an. Möglich sind Geldstrafen, bedingte Freiheitsstrafen, teilbedingte Freiheitsstrafen und unbedingte Freiheitsstrafen.
Nach einer einzigen Verurteilung zu höchstens 1 Jahr Freiheitsstrafe oder zu einer Geldstrafe beträgt die Tilgungsfrist (die Frist bis zur Löschung) 5 Jahre. Bei mehr als 1 bis zu 3 Jahren sind es 10 Jahre, darüber 15 Jahre. Einstellung und Diversion führen zu keinem Eintrag.
Ja, ein bisher ordentlicher Lebenswandel ist ein wesentlicher Milderungsgrund, wenn die Tat dazu in auffallendem Widerspruch steht. Für Ersttäter ist die Diversion oft die wichtigste Weiche, weil das Verfahren dann ohne Vorstrafe endet.
Vorgeschrieben ist ein Verteidiger nach dem Gesetz nur in bestimmten Fällen, etwa in Untersuchungshaft oder in der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht. Eine Aussage, die einmal im Protokoll steht, lässt sich aber später nur schwer korrigieren.

Wie kann ich Ihnen nach einer Anzeige wegen Betrug helfen?

Rufen Sie mich an, sobald Sie von der Anzeige oder der Ladung wissen: 0664 18 44 997. Die telefonische Ersteinschätzung ist kostenlos. Ich sage Ihnen, wie ernst Ihre Lage ist und was Sie bis zur Einvernahme tun und lassen sollten. Übernehme ich Ihre Verteidigung, läuft der Kontakt zu Polizei und Behörden über meine Kanzlei, wie ein Schutzschild für Sie.

*Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.*

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